Archive for April, 2009

In einer fremden Stadt

Ich habe wieder etwas gelernt: Komme nie auf die Idee du könntest in einer fremden Stadt noch schnell schnell was erledigen.

Ich hatte gestern eine einfache todo-Liste:

  • Paket mit nicht mehr gebrauchtem Zeugs nach Hause schicken
  • Karte der Donauroute kaufen
  • Eine SD-Karte kaufen

Sollte sich schnell erledigen lassen, oder? Nun ja, …

Dank meiner verbesserten Planung wusste ich vom Hostelpersonal wo es eine Post gibt und dass es darin auch einen kleinen Laden hat in dem man Pakete kaufen kann. Ich kam relativ schnell zu einem billigen Paket. Doch danach hatte es mehrere Schlangen, verschieden lang, ich wusste nicht an welche ich anstehen muss. Fragte jemanden der begann mit jemand anderem zu diskutieren und irgendwann sagten sie, ich müsse um das Gebäude rum in einen anderen Gebäudeteil. Dort angekommen hatte es keine Schlange und einen Beamten der Englisch konnte. Waou. Mein Paket wog etwa 3 Kilo und er wollte dafür 9900 Forint. Ich zahlte, rechnete und realisierte, dass das rund 50 Franken sind! Ich hätte nicht gedacht, dass das so teuer werden könnte! Ich redete mit ihm und wir machten die ganze Transaktion rückgängig. Puh! Dann fand ich heraus, dass Pakete unter 2 Kilo um einiges billiger sind weil die noch als normale Post durchgehen und über 2 Kilo muss man dafür Zollpapiere ausfüllen etc., das macht es teurer. Ich nahm alles aus dem Paket heraus was den Preis nicht wert war, schaute, dass es unter 2 kg kam, ging wieder in den anderen Gebäudeteil, hatte ein babylonisches Gespräch mit dem Schalterbeamten und mein Paket ist auf dem Weg. Jetzt noch 5200 Forint teuer, rund 25 Franken. War es das wert?

Für die Donaukarte empfahl mir Annika, die Hostelbetreuerin, einen grossen Buchladen, gab mir das Gebäude an an einem grossen Platz. Darin hatte es nur Kleider, obendrauf aber ein Schild auf dem ‘Libris’ stand, ich dachte das muss wohl gemeint sein, fragte jemanden wo denn der Libris ist. In diese Richtung (Handzeichen), im West End City Center. Suchte dort und fand ein Pendant zu unserem Ex Libris. Also sicher keine grosse Kartenauwahl. Wieder fragen wo denn nun der grosse Bücherladen ist. Er war bloss auf der anderen Seite des Platzes! Keine Donauradwegkarte. Zum Glück hatte ich aus dem Hostel noch einen zweiten Tip, einen Laden nur mit Karten. Dort wurde ich dann fündig. Nicht die beste Donauradkarte, aber die zweitbeste. Yes! Nur mit der Strassenkarte der Donau entlang zu fahren wäre wohl wieder ziemlich mühsam geworden.

Dann die SD-Karte. All die Handyläden hatten entweder 1GB-Karten oder nix. Wieder zurück in das Shoppingcenter, dort rumgefragt bis mir jemand den Mediamarkt empfahl (Ahhh, das kenne ich doch! – Wir sind halt immer noch in Europa.) und dort fand ich auch schnell was ich suchte.

 

Planung

Ich habe mich darauf gefreut, auf eine Reise zu gehen ohne zu planen. Klar, das nötigste habe ich geplant, Visas zum Beispiel. Aber wo ich am Abend übernachten werde, das sehe ich vorzu, wie weit ich jeden Tag komme: mal sehen.

Doch jetzt habe ich gelernt, dass eine gewisse Planung durchaus ihre Vorteile hat. Es wäre z.B. nicht dumm, sich kurz zu überlegen wie der Tag etwa aussehen wird, damit man nicht um halb 1 Hunger hat und weit und breit ist kein Restaurant und eingekauft hat man auch nichts.

Und bevor man aus dem Hostel oder Hotel rausgeht, sollte man sich unbedingt überlegen was man eigentlich da draussen will. Sonst findet man sich selber durch die Strassen irrend wieder, nach einen Laden suchend den es in dieser Stadt scheinbar nicht gibt oder ein Restaurant suchend ‘mit guter lokaler Küche und einem guten Preis-/Leistungsverhältnis’, das man natürlich nicht per Zufall finden wird.

Mit einem Minimum an Planung kann man das Hostelpersonal nach Tipps fragen und kann die Stadt dann umso mehr geniessen. Schluss mit dieser kompletten Planlosigkeit!

 

Drei Hauptstädte in einer Woche sind einfach zuviel

Letztes Wochenende noch in Wien, in einem Tag in Bratislava und dieses Wochenende schon in Budapest. Das soll doch keine Europa-Hauptstädte-Tour sein! Ich fühle mich langsam wie ein Rucksacktourist. Von Stadt zu Stadt, von Hostel zu Hostel. Das coole ist, das ich dazwischen auch die Dörfer erlebe. Aber ich freue mich auch darauf wieder etwas länger am Stück zu fahren. Ich könnte die Städte auch auslassen, aber das wäre ja schade.

Viel zu erzählen gibt es nicht von der letzten Woche. Nach Bratislava ein paar Tage über Land gefahren, mal draussen, mal in einer privaten Unterkunft übernachtet. Immer noch schönes Wetter, das bleibt jetzt wohl für immer so. Wahrscheinlich verschenke ich meinen Regenschutz demnächst ;-)

Einen anderen Radler angetroffen. Stephan fährt der ganzen Donau entlang, wir fuhren einen halben Tag zusammen. Und zwei Tage später trafen wir uns in einem Restaurant wieder, von dort aus fuhren wir gemeinsam bis nach Wien. Er ist gleich alt, hat auch Informatik studiert und steht an einem ähnlichen Punkt im Leben. War cool mit ihm über unsere Leben zu diskutieren.

Der Donauradweg ändert sich stark nach Bratislava, war er vorher ziemlich gut ausgeschildert, sieht man jetzt noch 1-2x pro Tag ein Schild. Schön ist es trotzdem.

Seit Bratislava verstehe ich nix mehr. Hier in Budapest sowieso nicht, da die Ungaren ja eine Sprache haben, die höchstens noch entfernt mit Finnisch verwandt ist. Ich bin ja schon froh ‘Danke’ und ‘Hallo’
sagen zu können. Ich wollte ja immer an Orte wo ich die Sprache nicht kann – und es hat auch seinen Reiz sich nur mit Hand und Fuss verständigen zu können, ich finde es z.B. auch ganz amüsant nicht zu verstehen was auf der Menukarte steht – aber jetzt denke ich es wäre doch besser sie zu können um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Irgendwann beginne ich mit Türkisch lernen…

Die Sonne, Stephan und ich:
Die Sonne, Stephan und ich
Ein Übernachtungsplatz:
Übernachtung vor Kotsch

 

Neue Photos: Wien und Bratislava

Scheint so also wären die letzten Tage meine Photos auf der Homepage nicht angezeigt geworden. Das kommt davon, wenn man seinen Blog selber zusammenbastelt…

Auf jeden Fall sollten jetzt wieder alle Photos zu sehen sein und ein paar neue von Wien und Bratislava:

Rein und raus aus Wien

Bratislava

 

Vergesst uns nicht

Ich war noch nie in einem ehemaligen Konzentrationslager. In Mauthausen hat es eines, quasi auf dem Weg. Ich musste etwas weg von der Donau, den Hügel hochfahren, ächz! Ich war etwas spät dran und es war schon geschlossen. So nahm ich mir Zeit für einen Gedenkgang um das ehemalige KZ-Gelände und Zeit um all die Denkmäler anzuschauen, die aufgestellt waren. Das war schon sehr berührend, ich glaube noch reinzugehen und all die Videostatements zu hören wäre sogar zuviel des Guten gewesen. Jedes Land und jede Volksgruppe von der Menschen getötet wurden hat ein Denkmal aufgestellt. Besonders berührt hat mich das Denkmal für die ermordeten Juden, eine künstlerische Menora (siebenarmiger Leuchter), das Denkmal für Deutschland und die folgende Aussage:

Vergiss uns nicht
Die wir hier getötet wurden
Denn das Vergessen des Bösen ist die Erlaubnis zu seiner Wiederholung

Böses wird sicher immer wieder ereignen. Wohl kaum mehr in der genau gleichen Form. Aber es wird immer Gruppen geben die anderen Gruppen Böses wollen. Behalten wir das im Hinterkopf und seien wir bereit rechtzeitig Nein zu sagen.
Denkmal fuer die im KZ ermordeten Juden

Denkmal für Deutschland

Pflanze vor dem ehemaligen KZ

 

Rein und raus aus Wien

Am Morgen bevor ich nach Wien kam traf ich Karin, eine Schweizerin an mit demselben Ziel Wien. Es tat gut mal wieder ein bisschen Schweizerdeutsch zu sprechen. Und dann noch mit jemanden der in vielem ähnlich denkt, sie ist im Präsidium von Jungwacht/Blauring.
In Wien blieb ich nur zwei Nächte, ich habe es schon mal gesehen. (Weisch no Dave?!) Übernachtete bei Magdalene vom Hospitalityclub. Super gastfreundlich, danke Lene. Hospitalityclub ist einfach cool. War mit ihr und ihren Freunden an einem lustigen Elektrokonzert, 78plus, eine spezielle und coole Performance.

Am Sonntag Morgen gings wieder los. Fühlte mich k.o. und hätte am liebsten noch etwas ausgeruht, aber ich verschob das auf Bratislava. Ich brauchte etwa eine Stunde bis ich aus Wien raus war. Ich wurde dafür mit einer interessanten Studie über das Freizeitverhalten der Wiener belohnt: Erst der Prater, Park und Marktbuden, dann auf der anderen Seite der Donau eine Grillmeile, die von Migrantenfamilien gefüllt war. Oh, diese Grilldüfte! Dann eine Zeitlang FKK.
Und dann zwei Freizeitradler die einen Platten haben. Fragten mich ob ich eine Pumpe habe. Die Pumpe alleine nützte natürlich nicht viel. Ich habe ihnen das Loch gleich geflickt. Die hatten überhaupt keine Ahnung wie so was geht und waren unendlich froh mich angetroffen zu haben. Ich hätte es ja gratis gemacht, aber sie wollten mir unbedingt 10 Euro geben. “Ne, das müssen wir schon vergüten”. So sind wir Westler… Alles hat seinen Preis. Und man fühlt sich schlecht wenn man ihn nicht bezahlt hat.
Zum Schluss eine Radlerbude in der ich eine Wurst zu Mittag ass. Viele ältere Männer die mit ihren Rennrädern, krassen Velooutfits und Bierbäuchen in der Sonne sassen und Schlager bis Rock hörten. Freizeitverhalten gibts…

In Bratislava war ich relativ schnell, waren nur etwa 80 Kilometer. Einen Tag lang habe ich wirklich nur ausgeruht. Meine Beine geschont so gut es ging. Heute gab es eine eineinhalbstündige Führung durch die Stadt, gratis vom Hostel offeriert, das war cool.

Morgen geht es weiter in Richtung Budapest. Freue mich sehr darauf.

 

Rückblick

Ich bin jetzt zweieinhalb Wochen unterwegs. Eigentlich noch eine sehr kurze Zeit, es kommt mir aber schon viel länger vor. Die ersten paar Tage waren geprägt vom Abschiednehmen, danach kamen ein paar Tage des angewöhnen an den neuen Lebensstil. Und seit ich aus Augsburg raus bin, habe ich das Gefühl wirklich drin zu sein in meiner Reise.

Ich war unglaublich verwöhnt bis jetzt. Zuerst mal von meiner Route, die Donau ist auf diesem Stück wirklich sehr schön und die Radwege gut ausgebaut. Und wenn man eine Karte hat, ist es auch leicht auf dem Weg zu bleiben. ;-)
Und dann vom Wetter. Nur Sonne, die ganze Zeit – was ist das bloss für ein Luxus?! Die Regensachen sind inzwischen zuunterst in meinen Taschen. Auch die Temperatur war tiptop, bin ich noch mit langen Sachen gestartet, konnte ich inzwischen auf kurz umstellen und immer noch ist es angenehm. Dafür bekomme ich jetzt Radlerstreifen. Arghhh! – Wie hässlich!

Immer wieder bin ich auf Menschen gestossen, die mir Tips gaben wo es schön oder weniger schön ist zum durchfahren. Mich intressierte das gar nicht wirklich und es verwunderte mich, dass das so war. Darüber nachdenkend kam ich zum Schluss, dass diese Reise zuallerst eine Reise zu mir selbst ist. Zum zweiten ist sie eine Reise zu fremden Menschen und Kulturen. Und erst zum Schluss ist es eine Veloreise, die Veloreise ist quasi der Rahmen für die beiden erstgenannten Reisen.
Claude Marthaler hat geschrieben, das Velo sei seine Gebetsmühle. Ich kann das inzwischen sehr gut nachempfinden. Ist man nicht gerade mit Steigung, Gegenwind oder anderen Mühseligkeiten beschäftigt, dann ist lange Fahrrad fahren eine super Möglichkeit um ins nachdenken zu kommen. Man kann seine Gedanken schweifen lassen. Sich Zeit lassen um neue Schlüsse zu ziehen. Und weil man das nicht in einer Klosterklause macht, sondern in einer sich ständig verändernden Landschaft mit täglich neuen Begegnungen, kommt man in seinen Gedanken auch vorwärts.

 

In Bratislava

Ich habe es endlich aus dem deutschsprachigen Raum herausgeschafft! Vorgestern überquerte ich die Grenze von Österreich zur Slowakei. Einen Grenzposten gibt es nicht mehr, da die Slowakei auch in der EU ist, seit diesem Januar haben sie sogar den Euro. Die Preise waren auch dementsprechend. Ob es wohl noch irgendwo in Osteuropa wirklich billige Orte gibt?
Die Grenze war aber spürbar, und zwar an der Strasse auf der ich fuhr, plötzlich hat es Hubel, Wurzeln und Rillen. In Bratislava bin ich jetzt für drei Nächte in einem Hostel. Gestern habe ich mich nur ausgeruht, ich glaube mein Körper konnte es brauchen. Heute habe ich meine Route geplant, werde mir die Stadt noch etwas ansehen und dann gehts morgen früh weiter in Richtung Budapest, Ungarn.

 

Vergleich zweier Reisestile

Sam (siehe Post von gestern) fand es schade, dass er manchmal nicht mehr Zeit hat um zu verweilen, um z.B. mehr mit den Kulturen vor Ort in Berührung zu kommen. Er hat Sponsoren und Termine, also nicht beliebig viel Zeit. Ich dafür wünsche mir manchmal ein klareres Ziel zu haben für meine Reise, das würde einiges vereinfachen.

So war es sehr spannend unsere beiden Reisestile zu vergleichen und zu merken, dass man nicht beides haben kann. Sam reist schnell, mit Tempo, für einen guten Zweck, mit Laptop, täglichen Blog-Updates (und Twitter-Feed!).

Ich hingegen reise eher ziellos. Habe zwar eine Richtung, aber lasse mich treiben. Erfahre mich selber. Zeit zum nachdenken. Habe viel mehr Chancen spontan zu sein. Zu verweilen oder abzubiegen wann und wo ich will. Das ginge nicht mit einem so klaren Ziel wie er es hat. Es ist ein Teil meiner Reise, dass ich kein Ziel habe, das ist gegeben und es hat Vor- und Nachteile.

Durch das Gespräch mit ihm wurde mir klar, dass ich mit einem klaren Ziel nicht nur gewinnen würde, ich würde auch gewisse Teile meiner Reise verlieren.

 

Ein Tag in Regensburg

Am letzten Samstag hatte ich so ziemlich den Koller. Ich wachte am Morgen auf, hatte keine Lust, weinte. Fühlte mich komisch, alles sinnlos, weg von zuhause, was mache ich überhaupt hier… Es ist schwer das in dem Moment zu sehen, aber das sind die Gefühlstäler von denen ich zuhause immer geredet habe, dass ich sie erleben will. Da hast du sie, Dave!
Das Wetter wollte auch nicht so recht zu meiner Stimmung passen, immer noch strahlend Sonnenschein. Ich fuhr nur ein kurzes Stück von ca. 40 Kilometern und nahm mir vor in Regensburg ein bisschen länger Pause zu machen. Ich war um halb 2 dort und von da an gings aufwärts mit dem Tag.

In der Mitte der Stadt hörte ich, immer noch auf dem Velo, Strassenmusikern zu die Jack Johnson spielten, als mich jemand anspricht und auf einen Kaffee einlädt, ein anderer Fernfahrer, der sich etwas austauschen möchte. Ich war total k.o., wollte nur ins Hostel mich ausruhen und trotzdem hat es gutgetan mit ihm zu sprechen.
Dann bekam ich einen Free Hug (eine Gratisumarmung).
Im Hostel eingerichtet und etwas ausgeruht gings wieder raus an die Sonne, setzte mich zu einer Gruppe Strassenmusikern. Jemand offerierte ihnen ein Bier, ich ging mit dem Typ mit die Biere holen. So lernte ich Marc kennen mit dem ich die nächsten Stunden quatschte.

Am Abend vor dem Ausgang im Hostelzimmer. Es kommt ein Fahrradfahrer hinein. Ich war begeistert. Begannen zu reden. Er fährt von London noch Kenya! Ist auch eben erst gestartet. Es war wundervoll. Wir verbrachten den Abend zusammen und tauschten uns aus. Dieser Verrückte ist ohne Begleitung über den Atlantik gerudert um Geld für ein Kinderheim zu sammeln. Und jetzt geht er es mit dem Velo besuchen. Logisch, oder?