Posted in Uncategorized on 07/24/2009 11:50 am by Dave
Nach Serbien habe ich lange keinen Radfahrer mehr angetroffen. Entlang der Donau nicht mehr und auch nicht als ich durch Bulgarien und nach İstanbul fuhr. In İstanbul sah ich noch ein Päärchen das mit Hund und Motorrad unterwegs ist, es machte auf der Strasse Eigenwerbung. Dann wieder lange nichts. In Ankara traf ich einen anderen Velofahrer, aber via couchsurfing – trotzdem, der Austausch tat gut.
Von Motorradfahrern werde ich immer wieder mal überholt. Viele davon türkisch. Die wollen einfach nicht aus ihrem eigenen Land raus.
Doch eines Tages, während ich mich an einer Tankstelle ausruhe, kommen zwei Velofahrer angestrampelt. Adam & Cat fahren von England nach Australien: www.cycling2oz.com

In Sivas laufen wir durch die Stadt, als ich im Eingang eines Hotels zwei Fahrräder sehe. Ich bin sofort rein und habe nach den Besitzern gefragt. Vreni & Ueli sind aus dem Luzernischen, pensioniert und jetzt auf Weltreise. 
Posted in Uncategorized on 07/24/2009 11:28 am by Dave
Ich wurde immer mal wieder per Mail gefragt was denn bisher meine grössten Herausforderungen unterwegs waren. Hier sind sie:
- Krankheit. Ist schon zuhause mühsam. Aber in einem fremden Land, in einer fremden Kultur? Gut, wenn man dann Freunde vor Ort hat. (Couchsurfing sei Dank). Jetzt bin ich immerhin wieder fit.
- Hitze + Hügel. Besonders die Kombination von beidem. Wenn die Sonne voll brennt, kann man einfach nicht mehr Fahrrad fahren. Das bedingt einen speziellen Fahrrythmus: Morgens nach dem aufstehen bald los, rechtzeitig Pause machen und dann gegen Abend wieder los. Zum Glück gibt es hier auch einen (teilweisen) Gewöhnungseffekt. Ich bin nach der Siesta auch schon bei 37 Grad Celsius wieder losgefahren und es ging gut.
- Motivation und Entscheidungen. Ist besonders taff wenn man alleine ist. Manchmal mag man einfach nicht mehr. Will nicht weiter. Will nach Hause. Will seine Ruhe oder seine Lieben von zuhause um sich haben.
Alles muss selbst entschieden werden. Wie lange fahre ich heute noch? Bleibe ich hier, gehe ich weiter?
- Müdigkeit. Die Sonne geht früh auf, ich fahre Abends oft noch. Wenn ich eingeladen werde kann ich sowieso nicht allzu früh einschlafen. Ich bin etwas heikel wenn es um Schlaf geht. Ich kann nicht einfach überall und zu jeder Tageszeit einschlafen und wenn um 5 die Sonne aufgeht dann bin ich bald wach. Das heisst ich bin oft müde, was manchmal mühsam ist.
- Rumänien hat mich herausgefordert.
- Wilde Hunde. Sind jedesmal für einen Adrenalinschub verantwortlich.
- Verständigungsschwierigkeiten. Ich habe mir oft gewünscht mehr mit den Menschen die ich antreffen kommunizieren zu können, aber zu Problemen hat es kaum geführt. Auch wenn mit Händen und Füssen zu reden noch lange nicht so einfach ist wie manche meinen. Bedeuten doch viele Zeichen anderorts was anderes. Bis ich die Geste für ‘Ich gehe in die Moschee beten und komme dann zurück’ verstanden habe…
Mit dem Material habe ich kaum Probleme. Das alte, bewährte Material muss manchmal geflickt werden. Und das neue, gute tut seinen Dienst. Ausser dem Veloständer, jeder den ich hatte ging kaputt. Es lastet einfach zuviel Gewicht drauf… Ich hatte einige Platten, aber ein echtes Problem ist das nicht.
Posted in Türkei on 07/24/2009 11:04 am by Dave
Etwas das ich auf dieser Reise immer wieder feststellen konnte, ist wie fest sich der Mensch an Dinge gewöhnt. Plötzlich beobachtet man an sich selber Reaktionen die man bis vor kurzem noch nicht kannte.
In Rumänien und in der Türkei hat es regelmässig Abfall am Strassenrand. In der Türkei sehe ich immer wieder Autofahrer die ihren Abfall einfach zu Fenster rausschmeissen, ich sah sogar mal einen der Dutzende politischer Flyer rauswarf – und das auf der Überlandstrasse! Ich habe mir vorgenommen keine neuen anzufangen, aber wenn schon viel Abfall rumliegt, dann geniere ich mich auch nicht meinen dazuzulegen.
Am Anfang schockiert einem das Verhältnis das Menschen an anderen Orten zu ihrer Umwelt haben. Aber eben: man gewöhnt sich dran. Eines Tages setze ich mich an den Strassenrand um ein Joghurt zu essen und als ich fertig bin, schiesst mir der Gedanke durch den Kopf: Mist, hier hat es ja gar keinen Abfallhaufen!

Ähnlich ist es mir mit den Toiletten ergangen. In der Türkei ist das Stehklo der Standard. Ich habe mich schnell daran gewöhnt – auch wenn ich bin mir nicht gewöhnt bin so lange in der Hocke zu sein. Es ist ja an sich ja hygienischer als unsere WC’s da man mit nichts in Berührung kommt was schon der Vorgänger berührt hat. Aber es ist wie mit allem: Es gibt saubere und dreckige Toiletten. Eines Tages komme ich an eine Tankstelle und finde ein westliches Klo vor. Allerdings mit einigen unschönen Tropfen drauf. Gerade die Menge die man bei uns (nachdem man sich vergewissert hat, dass die anderen Klos auch nicht besser sind) mit etwas Toilettenpapier wegwischt und drüber hinwegsieht. Mein einziger Gedanke in dem Moment war: Wo ist hier das türkische Klo?
Ein schönes Exemplar – aus Marmor, in einem Hamam gesehen.
Es gibt aber auch schöne Gewohnheiten. Ich beobachte mich selber dabei wie es das natürlichste der Welt geworden ist meine Zeigefinger der Länge nach aneinanderzureiben wenn zwei Dinge über die ich rede sich nahe stehen. Ist doch was tolles, wenn man wie ein Einheimischer gestikuliert?!

Posted in Türkei, Uncategorized on 07/21/2009 07:43 am by Dave
Ich bin gerade in Urfa. Etwas krank, aber bei einem tollen Ehepaar zu Gast, hier kann ich mich ein paar Tage gut erholen.
Ich habe das erste Mal ein Stück Weg mit Zug und Bus zurückgelegt. Zum einen weil es sich krank nicht so gut Velo fährt und zum anderen aus Zeitgründen: mein Visum für den Iran ist ab dem 24.Juli gültig. Ein bisschen später einreisen macht ja nichts, ich habe ja ein 3-Monate-Visum, aber viel später, das wäre dann doch schade. Schade ist auch, dass die iranische Botschaft solche Machtspiele nötig hat, ich bin nicht der einzige dessen Visum willkürlich auf ein früheres Datum ausgestellt wurde.
Irgendwie fühlt es sich komisch an eine Veloreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu unterbrechen. Man kriegt den Wechsel der Landschaft nicht mehr auf die gleiche Art mit. Aber es ist rundet die Erfahrung eines Landes auch ab. In türkischen Zügen werden die Sitzplätze offenbar mehrfach verkauft und so sass ich in einem Sechserabteil mit 8 Leuten. Es hatte 1,2 fliegende Händler im Zug, jetzt verstehe ich die Leute die sich von der Türkei an Asien erinnert fühlen. Der Zug ist klar das billigere Transportmittel, entsprechend bekommt man auch mehr Eindrücke. Dafür ist er auch ziemlich langsam und unpünktlich. Im Fahrplan stand er fahre um 4, er fuhr dann um halb 6. Das Busnetz der Türkei hingegen ist bekannt für seine Qualität. Es werden sogar Snacks gereicht.
Ich bin nun auch schon in der Nacht gefahren. Wenn die Strasse gut ist, geht es ohne Probleme. Es ist wirklich wunderbar wenn es plötzlich kühl ist, man eine Brise spürt und dabei auch noch gut vorwärtskommt. Ich bin allerdings nie länger als bis um 12 gefahren.
Ich war auf dem Berg Nemrut. Das war eindrücklich. Und anstrengend. Die Strasse ist einfach nur steil, ich habe mehr als Tausend Höhenmeter an einem Tag gemacht. Das meiste stossend. Dafür wurde ich am nächsten Morgen mit einem prächtigen Sonnenaufgang belohnt (der schönste der Türkei heisst es).
Inzwischen bin ich in der Osttürkei. Viele kurdische Dörfer und hier in Urfa gibt es auch arabische Minderheiten. Die Unterschiede wirken auf den ersten Eindruck eher fein, aber sie sind vorhanden. Die Dörfer wirkten ärmlicher als im Westen, das Essen ist billiger. Dreimal hatte ich Kinder die mir “money, money” nachgerufen haben. Ich habe dann aber herausgefunden, dass es weniger darum geht unbedingt Geld von dem Fremden zu bekommen, sondern dass sie vielmehr gar nicht wissen was sie tun. Bei der ersten Kinderschar habe ich gleich selber die Hand hingehalten und dann eine Frucht bekommen. … Ok, ihr wisst einfach nicht was ihr tut, oder? Beim nächsten Mal habe ich mich in meinem Wörterbuch schlau gemacht und das Kind gefragt wieso es bettelt. Es ist beschämt weggelaufen. Scheinbar war es eine neue Erkenntnis für ihn als Bettler betrachtet zu werden.
PS: Ich habe auch mal wieder ein paar Fotos hochgeladen. Schaut sie euch an.