Archive for September, 2009

Wo ich gerade bin und war und sein werde

Das Problem damit, in die Fremde zu gehen, ist, dass die Fremde danach nicht mehr fremd ist.

Teheran

Ich würde euch gerne viel von Teheran erzählen. Aber wenn man dort ist, gibt es nicht viel zu sehen. Weder historische Attraktionen noch Aufstandsromantik. Einfach eine Millionenstadt die vor allem mit dem Verkehr und dem Smog kämpft. Natürlich ist es der Ort im Iran an dem die Menschen am individualisiertesten leben und es ist interessant zu sehen wie in Teheran mit den islamischen Regeln umgegangen wird. Aber dann ist man einfach froh wenn man wieder aus dem Moloch weg kann.

In den Tagen vor Teheran bekam ich langsam aber sicher genug vom Fahrrad fahren. Erst mal genug nachgedacht. Und dann sind die Strassen im Iran aufgrund der Distanzen und der Geographie eher langweilig und vielbefahren. Zusätzlich fing ich mir in Teheran eine Ohrenentzündung ein die mir eine Antibiotikatherapie bescherte. So nahm ich für den Weg nach Qom den Zug. Ab durch die Wüste. Und billig war das: Zweieinhalb Stunden für 40 Dollar-Cent! Da kostete das Wasser das einem gratis gereicht wurde ja mehr.

Qom

Qom ist das religiöse Zentrum des Irans. Hier kommen die religiösen Hardliner her. Und wenn man einem Teherani erzählt, dass man dahin geht, schlägt er die Augen hoch und fragt: “Was willst du dort?” Nun, der Besuch lohnte sich. Erstmal der Schrein der Fatima (einer Schwester von einem der 12 Imame) der wunderschön ist und einem einiges über der Glauben der Schiiten lehrt. Und dann traf ich sehr interessante Menschen dort. Der eine junge Iraner wollte mich davon überzeugen, dass ich glauben soll, egal was, einfach irgendetwas, Hauptsache ich bin auf den Tag des Gerichts vorbereitet. Auch die Gespräche über Beziehungen im Iran waren sehr interessant. Am nächsten Tag traf ich seinen Freund der aus einer sehr religiösen Familie kommt, Atheist ist und seiner Mutter vorspielen muss, dass er den Ramadan einhält. Mehr lange und gute Gespräche.

schreinfatima
Der Schrein in Qom, durch das Eingangstor fotografiert

Kashan

Danach habe ich den Bus nach Kashan genommen. Es geht im Übrigen ganz gut ein Fahrrad mit auf den Bus zu nehmen. Das Gepäckfach eines Durchschnittscars hat genau die richtige Höhe. In der Türkei brauchte es jeweils etwas Überzeugungsarbeit und ein Gespräch mit dem Busfahrer damit das klappt. Im Iran wird das Fahrrad ohne Augenzwinkern eingeladen. Als der Busbegleiter in Kashan das Gepäckfach öffnete, war da schon ein Motorrad drin! Dafür zahlt man im Iran einfach etwas mehr, meistens ein Fantasiepreis. Da das über-Land-reisen billig ist, ist das aber kein grosses Problem.

Kashan hat etwa die Grösse von Basel – darum war es mir wohl so sympathisch. Ein paar alte schöne Häuser, ein Garten irgendeines Königs und ein sehr hübscher Bazaar: Nicht zu gross, nicht zu klein. Hamid, mein Gastgeber (ein Couchsurfer), stellte mir ein eigenes Appartement zur Verfügung, waou. Dort konnte ich mich gut erholen und am Abend wurde ich dann jeweils zu ihnen nach Hause mitgenommen zum Fastenbrechen. Sie assen leicht, aber die Mutter kochte jeweils extra noch etwas handfesteres für mich.
Das Ohr tat weiter weh, ich ging wieder ins Spital. “Sie haben jetzt keine Entzündung mehr, jetzt haben sie eine Infektion.” Wieder eine doppelte Antibiotikabehandlung. Als ich das später einer Medizinstudentin aus Tschechien erzählte, war sie total erstaunt: “Was, zwei auf einmal? Die spinnen ja.” Sie war auch sehr überrascht als ich ihr klar machte, dass man hier sowie in der Türkei in der Apotheke alles kriegt was man will, mit als auch ohne Rezept.
Ich ging noch 3x ins Spital weil sie mir das Penicillin spritzen wollten. Das kostete jeweils 50 Rappen bar auf die Hand. Na, das kann man sich doch leisten.

Isfahan

Von Kashan nahm ich einen Bus nach Isfahan. Isfahan, die schönste Stadt im Iran. Sie hat viele schöne Gebäude, aber mir wurde einmal mehr bewusst, dass ich am liebsten Städte mit einem historischen Kern mag. Die Moscheen in Isfahan waren sehr eindrücklich und der Fluss ausgetrocknet… Auf jeden Fall sehenswert. Ich bin nach langem mal wieder in einem Hostel abgestiegen. Ich habe so viel Zeit mit Einheimischen verbracht, es war mal wieder Zeit ein paar Reisende zu treffen. Das Amir Kabir Hostel ist der Treffpunkt für Overlander in Isfahan. Zeitweise standen 5 Fahrräder im Hof, insgesamt traf ich 6 verschiedene Velofahrer (auch Vreni und Ueli waren wieder da),
3 Motorradfahrer sind da durchgekommen und ein Bus mit 30 Menschen der von London nach Sydney fährt. Es gab gaaanz viele Gespräche über Woher, Wohin, wo ist es schön und vor allem und immer wieder über Visas.

Shiraz

Ich habe einen Sidetrip nach Shiraz gemacht. Alle Iraner wollen das man da hingeht, aber es sind vor allem Sehenswürdigkeiten die für sie wichtig sind. Gräber ihrer Poeten (die fast den Status von Propheten haben) und Persepolis, eine historische persische Königsstadt von der nach einigen Ausgrabungen wieder einige Steine zu sehen sind. Sie sind unglaublich stolz darauf und wenn ich sage, dass ich nicht dorthin gehe, führt das zu sehr langen Gesichtern :-)

Ich war ganze 8 Nächte in Isfahan. Lange Zeit, aber ich habe einfach gemerkt, dass mein Körper die brauchte. Jetzt bin ich wieder fit. Und wieder auf dem Fahrrad, das tut gut.

Wüste

Mit Arjen aus Holland bin ich drei Tage durch die Wüste gefahren. 102 km, 123 km, 136 km.  Wüste hat bei uns in Europa einen romantischen Klang. Dünen, Kamele, Oasen. Aber das war die hässliche, reale Wüste. Nicht der Ort an den man auf einem Kamelausflug geht. Oasen sahen wir und auch Schilder die uns vor Kamelen warnten. Aber keine Kamele. Nur Ödnes, Weite, Dunst und Hitze. Zur rechten in der Entfernung eine Bergkette, zur linken nur Weite und vor uns verschwindet die gerade Strasse im Dunst. Überall Dornensträucher die von Luft und ohne Liebe leben. Trockenheit und Hitze.
kamelschild
Wir haben eine Nacht in Toudeshk, einem Wüstendorf, übernachtet – bei Einheimischen die das anbieten. Und sogar gut gegessen. Eine Nacht unter dem Sternenzelt. Trotz der Lichtverschmutzung durch die Strasse war es wunderschön, ich habe die Milchstrasse schon lange nicht mehr so klar gesehen. Und jetzt sind wir in Yazd, ein tolles Hotel, eine interessante Stadt, wieder etwas ausruhen, Sightseeing und Reisepläne machen.

Weitere Pläne

Heute abend sollten unsere Fahrradbekanntschaften aus Isfahan ankommen. Und dann geht es wohl bald gemeinsam weiter. Die Einreise nach Pakistan ist nicht ganz ohne (Nachtbus, Taxi zur Grenze, wieder ein Nachtbus), also denken wir darüber nach als Gruppe zu gehen. Den grössten Teil der Reise werden wir im Bus machen, es wird einem im Moment auch gar nicht erlaubt selber Fahrrad zu fahren. Wir sind fleissig am Pläne machen wann wer wo ist und wie wir das am besten arrangieren und ob auch alle Fahrräder in einem Bus Platz haben und solche Dinge.

“Du gehst jetzt also doch noch Pakistan?” wird wohl der eine oder andere denken. Ja, ich habe mich entschieden durch Pakistan zu reisen. Ich habe bei meinen Nachforschungen festgestellt, dass es möglich ist, die unsichersten Regionen zu vermeiden. Und die mehr oder weniger gefährlichen Strecken (Grenze-Quetta, Quetta-Multan) werde ich im Bus machen. Und dann hoffentlich von Multan nach Lahore mit dem Fahrrad fahren. Und dann ist mein Ziel Indien schon ziemlich nahe.

 

Do you want to be a star?

Here is your chance: Go to Iran and show that you are a tourist. For most of the tourists that is a simple task, just be yourself. People will start talking to you on the street. They want to take a picture of you and them.
If you are on a bicycle it is not enough for them to slow down and ask where you are from. They will take out their camera and film you or take pictures. And when I went to visit an English institute, I had to give my autogramm away many times…

superstar
This picture was taken while we were both driving.

 

More for the eyes – Mehr für die Augen…

I have added some more pictures from my way to Teheran:
Ich habe noch einige Bilder von meinem Weg nach Teheran hochgeladen:


If you want to read on, I have some new links from other travellers:
Wer weitere Reiseberichte lesen will, hier sind einige neue Links:

  • Jan und Dusan from Slowakia. Going east on the bicycle. Great read.
  • Annika travelled overland to Pakistan and is going to be there for an exchange semester. Her blog is great read, e.g. the current post about tents and camping in Iran.
  • Arjen from the Netherlands. If you speak Dutch…
  • Bernhard, mit dem Motorrad von Linz Richtung Osten
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    Kleiderregeln

    Die Kleiderregeln sind unser kleinstes Problem.

    Iranische Frauen sind sich einig: Sie haben andere Probleme als die Kleiderregeln. Probleme ihre Rechte durchzusetzen. Bessere Bedingungen in Arbeit und Ehe. Doch die Kleiderregeln bleiben das offensichtlichste Zeichen, dass man im Iran ist. Und ihre Umsetzung sorgt immer wieder für stutzen. Deshalb hier trotzdem ein Text darüber. Und so gerne ich noch mehr zu der Situation der Frauen im Iran schreiben würde, ich weiss schlicht zu wenig davon.

    Hejab

    Hejab heisst Schleier, ist aber auch der Titel der iranischen Kleiderordnung. Die Regel ist simpel: Eine Frau soll in der Öffentlichkeit ihre Figur und ihr Haar verdecken. Das heisst praktisch: weite Hose, ein Mantel mit einer gewissen Länge und Weite, so dass er alle weiblichen Kurven inklusive Hüfte verhüllt. Plus das Kopftuch.

    So simpel die Regel ist, so interpretierbar ist sie. In Teheran ist das Kopftuch weit hinten, der Mantel auch mal enganliegend und in den Städten sieht man längstens nicht nur unauffällige Hosen, sondern auch mal enge Jeans. Und unter Umständen das ganze in Rosa was wohl auch kaum Mohammeds Idee war.

    Tschador

    Hejab ist das eine. Aber das gibt es noch den Tschador. Tschador heisst wörtlich Zelt und das ist auch die Idee: Das sich die Frau wie in einem Zelt versteckt. Eigentlich ist Tschador nicht mehr als ein weites langes schwarzes Tuch. Manche Frauen haben sich die Öffnung fürs Gesicht so genäht, dass das Tuch nicht verrutscht, andere haben Tschador mit Ärmeln. Tschador tragen ist für Iranerinnen nur bei seltenen Anlässen Pflicht.

    tschador1 Aber es gibt Orte im Iran, die sind so konservativ, dass dort alle Frauen einen Tschador tragen. Da will man nicht die erste sein, die ‘nur’ mit Hejab rumläuft. Plötzlich ist es nicht mehr das Gesetz, dass einem Kleiderregeln aufzwingt, sondern die Kultur. Und die Familie die unter allen Umständen verhindern will, dass ihr Kind als leichtes Mädchen dasteht.

    Und an diesen Orten wird etwas ganz fest deutlich: Das Bedürfnis der Frauen ihre Schönheit auszudrücken. Wo die Frauen gemischt rumlaufen, sind Tschadors meistens einfach schwarz. Im Qom und Kashan gibt es dann aber plötzlich viele verschiedene Schwarz. Schwarz mit unterschiedlichen (natürlich schwarzen) Glitzerelementen drauf, sogar gestickte, also löchrige Tschadors. Und man beginnt sich zu fragen wieso nicht ein einfaches simples schwarzes Tuch getragen wird. Und dann Schuhe. Also zum Glück (für die Frauen und die Händler) hat Mohammed nichts über Schuhe gesagt!

    Europa

    Bevor meine Leser kopfschüttelnd denken, dass die doch alle spinnen im Iran – haben wir nicht auch ungelöste Probleme mit unserer nicht-existenten Kleiderordnung? Wenn bei 12-jährigen Mädchen die ersten Schamhaare sichtbar sind weil die Tally Weijl-Hose schlicht zu tief geschnitten ist, dann ist etwas schief gelaufen. Wir haben es auch nötig uns über Kleiderregeln Gedanken zu machen.

    Gewohnheit

    Und das verrückte ist wieder mal: Der Mensch gewöhnt sich an vieles. Und zwar schnell. Nach einer Woche in Qom und Kashan kam ich nach Esfahan, das wieder eine liberale Grossstadt ist, und dachte: Boah, die laufen hier ja rum.

    hejab


    Read on: Jan, ein anderer Veloreisender hat auch gerade von unseren Tagen und den iranischen Frauen geschrieben (auf Englisch).

     

    Relationships 2: Talking about marriage in Iran

    And here comes the true cultural shock: Let’s talk about marriage.

    Maybe you have read that it it is possible in Iran to marry for 48 hours. Well, here is the story.

    The following is a condensate of some talks I had with Iranian people.

    When we go to Mekka and speak with the men from Saudi-Arabia, they are shaking their heads when they hear that we have only one wive. “Four, man, take four!” is what they say.

    At the time of Mohammed, a lot of men died in wars and a woman had no legal protection if not married. So it was very important for the women that they were married. But with not enough men around it was a good invention that one man could take care for more than one wife. And that was not for fun, he maybe took care of an old widow.
    But the Saudi-Arabis took the rule and use it for fun…[1]

    We have that one family in our town, they are two wives and one man. Everybody is wondering how this family is working, but nobody has contact with them. The wives don’t want their husbands to learn something from that man.

    But there are situation that are different:
    There is this neighbour couple, he is about 60 and she 70, he is fit and she already senile. She cannot really take care of him anymore. In one of her clear moments, she was asking her neighbours if they cannot find a woman for her husband, he needs someone who can take care of him.
    Seriously. They think that way.

    Before another example, let’s have a look at the law:

    The Law

    There is the official marriage. With name changing and everything. And then there is the religious marriage. You can do one without the other one. And now comes the funny thing: The religious marriage can have a time limit. This is based on one phrase in the Koran that is discussable [1]. It says something like: ‘You can take a wife to your home for some time.’ Some muslims see that relating to a servant that you can fixly integrate in your household for some time by marrying her, others think it relates to short time marriage. Anyway, this is possible now in Iran. You can go to a Mullah, pay some money (about 60 Dollar), speak some sentences and you are married for as long as you want: a year, a month, 48 hours or forever. (The thing has a constraint, the koran expects divorced women to first have their menstruation twice before marrying again.)
    You may ask: What could a short time marriage be good for? Well, sex without marriage is illegal. You can get killed for that in Iran. It is just very funny for an outsider that the marriage does not have to be an official official one, a religious one is official enough. Seems like a religious marriage is some semi-official marriage with more flexibility but full protection of your sexual intercourse by the law. Crazy, isn’t it.

    So, back to this little town:

    There is a widow. She for sure wants to be with someone again. Not only for a relationship, but also economically it would be good. There are some man queueing up, but they all are married already. No unmarried men over 40 around. Most of them just want to marry her for one year. She will only accept a proposal from someone that marries her forever.

    Now she got married again. I asked how this is going to work: They will see each other about once a week and she will get some money from him, the rest of the time he will spend with his family. The whole thing will be a big secret, because people would speak bad about you.
    There are only few men thinking about marrying a second time, maybe one percent does even consider this, and this thinking is not liked in the community.

    So what is the widows idea about that? “You have to take what you get.”
    And I asked her son what he thinks about it: “You told me people here don’t like men that take a second wife. Men like the new husband of your mother. But you support him. Why?”
    “He supports my mummy, so I support him”.

    So, how can we as westerner think of the whole thing? Having a lover in Iran can kill you. Having a second wife can be like having a lover, equally disregarded by the society. And having a marriage on time can be thought of like having a boyfriend/girlfriend after you reached a certain age – just makes the whole thing legal. Still it is very strange what behaviour is excused here with religion.
    But what looks very strange on first sight, is not so strange anymore after a closer look. People are also mostly living monogamous. But there are always some other relations around. And because of a different law systems and culture, the relations out of the norm find complete different niches to exist in Iran.


    [1] Christians well versed in the bible can understand that well. Take one discussable sentence (or even just a word!) in a holy book and you can end up having two different theologies, split-up communities and so on

     

    Bicyle Shop in Tabriz

    There are a few bicycle stores in Tabriz. But there is one that got some reputation in the cycling community. I guess not because of the ‘free service for tourists’, but because they do their work with passion, have a lot of spare parts and are very friendly.

    So if your bike needs something and you are in Tabriz, that is the place to go:

    Saeed Mohammadi Bike
    Nader sq
    Tabriz
    Tel 280 77 76
    saeedbike.blogfa.com

    A few years ago, someone stopped Steven on the street while he was cycling into Tabriz: “Hello Mister, you have a problem with your bike”. He brought him to his cousin Saeed and because they did not have the spare parts he needed, they drove him to all bike shops in town. Great service, isn’t it?!

    Funny sidestory: Steven gave me some pictures (that I carried with me all through Turkey) to bring them to Saeed. They came along with a visit card with the address. When I asked at the hotel reception where this address his, the man said: “In Esfahan”. I obviously had the wrong visitcard in my hands. However, Chris also had an address of a good bike shop, so we went there to look for spare parts. When I sat at the table, waiting for my bicycle to be ready again, I compared the table on the pictures in my hand with the table in front of me and started wondering…
    The table on the picture and the one in front of me where the same! I was in the right place and could deliver the pictures!


    However, a word of warning has to be said: While the service of Saeed is good, it is not perfect. I had to readjust my gearshift after the visit and if they want to exchange all your spikes, you better say no…


    Saeed has a guestbook and it was fascinating to have a look at all the travellers that passed through this place.
    Here is a list of the homepages I could find in the guestbook, the oldest entries were about 15 years old:

     

    Der Bazaar in Tabriz – The Bazaar of Tabriz

     

    Relationships 1: What does it mean to have a girlfriend/boyfriend in Iran?

    When it comes to pre-marital relationships, there are two cultures to talk about: the one in Teheran and the one in the rest of the country. That is somewhat like Paris and the rest of France. Let’s start of with the rest:

    For a lot of Iranis, having a girlfriend/boyfriend only means to have a friend from the other sex. For most of the youngsters here, it is a special thing to be in contact with a girl/a boy. Relations between men and women who are not married or relatives are disregarded. Boys and girls live seperated. In school, in highschool, the first time they mix up is in university. One traveller suspected the Iranis to only study because of that ;-) .
    I heard of an Iranian boy who got arrested twice by the police because he was shopping with a girl he was not married to. It took some time to convince the police that it is in fact his sister.

    But modern technology chances a lot… They talk, they send SMS. And maybe they meet. And maybe they even do more. The whole thing is always a secret. Not amongst the friends, where they may brag about who has the most girlfriends, but it is surely not something to tell your parents. Going to the shopping center together? Forget it.

    In Europe, having a boyfriend/girlfriend means having a serious relationship, at least when you have reached a certain age. But in Iran, the term boyfriend/girlfriend is more related to the first contacts with the other sex and to something forbidden. A serious relationship? That means marriage, and that is a different subject.

    It is still quite common that the parents look around for a good partner for their children. Or as one fellow pointed it out: “When it is time to get married, maybe my parents know a good girl, maybe I know one.”

    Because having a girlfriend/boyfriend is neither something official nor something with a future it is also not something exclusive. Many youngsters are in contact with more than one possible partner. “Maybe I can get married to one of them? But if it does not work it is good to have more options at hand.” As time goes by, the whole story is slowly shifting away from “the parents are looking for a good partner and having a girlfriend/boyfriend is only a forbidden game” to “I search for a good partner myself”. And maybe after they have mastered that step, they will come closer and closer to the way we live in Europe.
    Anyway, in Teheran everything is different, there you can find the whole spectrum of relationships. People that live as a couple and it is more or less official and others that still let their parents do the work.

    Let’s talk about another term that is filled quite differently: Engagement. To be engaged here means that you have signed the legal marriage contract and that it will only take some more time until you held the wedding party. Having the paper in your hand means you can have legal sex and so, engaged people often live like husband and wive.

    And now, knowing all that, how do you to tell Iranis what kind of a relationships you have? “I have a girlfriend” can find its reaction in giggling. “I am engaged” sounds over the top but is maybe closer to their thinking.
    A typical question in Iran is: “Are you married or single?” There is nothing in between, no steps that indicate that you are seeing someone, dating someone, having a relationship with someone. No, marriage is something that happens to you from one day to the next. And that’s the way it is.

     

    Ramadan

    Es ist Ramadan. Der heilige Fastenmonat des Islam. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang kommt dem Gläubigen nichts über die Lippen. Selbstkasteiung? Es wird eher als hilfreiche Übung gesehen. Allerdings ist es im Sommer, bei mehr als 35° (oder in anderen Gegenden 55°) und langen Tagen fragwürdig ob es Sinn macht nichts zu trinken.

    Es ist interessant zu sehen wie das eine Gesellschaft beeinflusst. Es gibt ein Gesetz, dass Büroarbeit schon um halb 4 (oder war es halb 3) fertig ist. Sehenswürdigkeiten haben plötzlich keine Mittagspause mehr, aber machen ebenfalls um 3 oder 4 zu. Läuft man um Vier Uhr Nachmittags durch einen Bazaar sieht man viele Männer schlafen. Auf ihren Teppichen, in ihren Stühlen, in der Moschee. Die Nacht wird zum Tag, bis um 12 oder später ist überall noch was los. Was ist genau der Sinn der Übung wenn man den Tag verschläft und nachtaktiv wird? Ich weiss es nicht.

    Schlafende Männer im Bazaar, aufgenommen im Ramadan
    Ich hatte mich darauf gefreut den Ramadan im Iran zu erleben. Jetzt bin ich ziemlich ernüchtert. Es gibt am Abend keine grossen Fastenbrechenparties. Und Essen für mich zu finden ist nur anstrengend und kein Abenteuer. Die Läden haben praktisch überall offen, man kann sich also immer und überall irgendwas zu essen kaufen. Aber will man was richtiges wirds anstrengend. Auch in Teheran. Praktisch alle Restaurants sind zu, offen haben einzig noch einige FastFood-Läden. Ich gehe also in einen solchen und will einen Burger kaufen. Gibt es nicht. Offenbar nichts gebratenes, vielleicht weil es jemand riechen könnte? Nur kaltes. Also ein Aufschnitt-Sandwich. Ich will mich hinsetzen doch es ist hochgestuhlt. Ich frage wo ich essen kann. Draussen. Aber draussen ist doch Ramadan! – Offenbar soll niemand die essenden Leute im Fenster sehen. Aber das gleich das ganze Lokal hochgestuhlt wird erscheint mir übertrieben. So scheint das Gesetz zu sein. Ich gehe also in den Park und esse dort. Ich habe Glück und niemand scheint sich zu stören.

    Es gilt als unhöflich im Ramadan vor anderen Leuten zu essen oder zu trinken. Aber man hat sich hier nicht überlegt wo die Leute die trotzdem essen es machen sollen. Ich habe von einem Büro gehört in dem die Küche während dem Ramadan verschlossen bleibt. Also essen die Leute die krank, schwanger oder nicht Muslim sind an ihren Pulten. Und dann riecht es im ganzen Grossraumbüro nach Essen. Im Park gibt es keine abgegrenzte Ecke für die Menschen die essen. Kein Wunder eckt dann und wann jemand an. Iranische Touristen selber sind teilweise ungeniert irgendwo am picknicken (Reisende müssen nicht fasten). Geht man in Teheran während des Ramadans in eine Sackgasse kann es übrigens gut sein, dass dort jemand hinter einem Auto am Boden kauert und versteckt ein Sandwich isst.

    Sandwiches… lausige kalte Sandwiches. Oder Kekse. Wenn man intelligent einkauft Gurke und Tomaten. Vielleicht eine Thunfischdose und Brot. Aber da ich doch viel unterwegs bin, kaufe ich einfach dort ein wo ich gerade bin wenns Essenszeit ist. Und das endet mit abgepacktem trockenem Kuchen, Keksen und nochmals Keksen. Sie hängen mir zum Halse raus.

    Bin froh wenn der Ramadan vorbei ist. Dann gibts auch wieder den Tag durch Einladungen zum Tee.

     

    Iran – Eine Einführung

    Ich glaube was hier alle lesen möchten ist eine Ergänzung zu dem Bild das die Medien vom Iran zeichnen. Dann wollen wir mal.

    Geografie

    Der Iran ist gross – das 14.grösste Land der Welt. Praktisch das ganze Land befindet sich auf einem Hochplateau auf rund 1000 Meter. Ringsum Berge und Meer. Und das macht die Vielfalt aus, im Norden und Süden Meer, im Norden Berge die super sind für Trekking oder um im Winter eingeschneit zu werden. Und dann gibt es auch noch die Wüsten.
    Die beste Saison hier sei der Winter. Am persischen Golf schön warm, im Norden von Teheran verschneit und man kann Ski fahren.

    Der Iran liegt an einem strategisch wichtigen Ort. Er war schon immer Durchgangsweg für den Handel zwischen Europa und Indien. Die Nachbarn sind ein spezieller Mix, befinden sich darunter doch der Irak, Afghanistan und Pakistan. Und gute Rohstoffe hat der Iran auch: Öl und alles was man sonst so abbauen kann.

    Kein Wunder also wurde der Iran mehrfach von verschiedenen Seiten eingenommen, erst preschten die Mongolen durch das Land, später die Araber. Während dem ersten Weltkrieg hatten die Briten und die Russen hier das Sagen und die letzten Regierungen vor der Revolution waren auch nicht frei von äusseren Einflüssen. Ein Iraner hat mir gesagt, sie seien praktisch immer von fremden Herren regiert worden. Das sei man sich hier gewohnt.

    Politik

    Ich glaube das wichtigste was man als Schweizer über die Politik hier wissen muss, ist dass sie nichts mit dem Leben der Menschen zu tun hat. Deshalb: auch wenn die iranische Regierung böse redet, die Menschen sind sehr gastfreundlich und eine Reise in dieses Land kann eine tolle Erfahrung sein.

    Bei uns arbeiten Politiker mehr oder weniger für ihr Volk. Hier leben die Politiker ihr Leben und das Volk das sein. Das geht so weit, dass einige Iraner das Regime in eine Reihe mit früheren Fremdherrschaften einreihen: “Das sind zwar unsere Leute, aber sie vertreten nicht unsere Ideen. Sie wollen uns zu Arabern machen.” Die Iraner sind stolz auf ihre eigene Kultur. Und die Kultur hier ist alt, sicher 5-6000 Jahre alt! Also für archäologisch/ historisch Interessierte gibt es hier was zu sehen.
    Apropos Araber: Die Iraner wollen sich wirklich von den Arabern unterscheiden. Deshalb kann es auch mal vorkommen, das einem gesagt wird, dass Iraner Arier sind. Wenn die wüssten wie das in unseren Ohren klingt! Seis drum, die Theorie gibt es wirklich: Deutsche und Iraner haben sich vor ca. 10000 Jahren im Norden getrennt, die einen sind nach Europa gewandert, die anderen in den Iran.

    Wie kam es dann zu dieser islamischen Revolution anno 1979? Nun, niemand wollte den Schah mehr (den König). Er verhöckerte das Öl billig an andere Länder, schaute nicht zum Volk. Man raufte sich von links bis rechts zusammen und sagte ihm er solle verschwinden. Und dann hatten die Iraner Pech: Aus all diesen Gruppen die die Revolution herbeiführten, gewannen die Muslime die Oberhand und erklärten die Revolution kurzerhand zu einer islamischen.

    Das Regime hier ist zu einem grossen Teil ein Show-Off-Regime. Sie stellen Regeln auf, dass es so aussieht als wäre der Iran ein richtig muslimisches Land. Zum Beispiel die Kleiderregeln: Es gibt sie, aber sie werden in der (Teheraner) Praxis so lasch gehandhabt, dass es ein Witz ist. Der Mantel der dafür gedacht ist, die Figur zu verhüllen ist oft enganliegend, das Kopftuch so weit hinten wie möglich und darunter schauen blondierte und toupierte Haare hervor. haareDie Regierung kümmert sich allgemein nicht sonderlich um die Umsetzung von Regeln. Weder um die Einhaltung von Verkehrsregeln noch um das Verbot von Satellitenfernsehen oder Alkohol. Nicht einmal um das bezahlen von Steuern! Das heisst die Menschen leben ihr eigenes Leben, man arrangiert sich und praktisch alle leben irgendwie mehr oder weniger illegal. Was für uns befremdlich ist, ist hier total normal. In einem Gespräch über den Strassenverkehr sagte mir eine Iraner: “If you follow the rules, you can’t move.” (Wenn du den Regeln folgst kannst du dich nicht mehr bewegen/kommst du nicht vorwärts.) Und in diesem Punkt ist der Verkehr wohl ein gutes Bild für das Leben überhaupt im Iran.
    Als ich einem Iraner erklärte, dass ein Grund für unser negatives Bild vom Iran die Drohungen der Regierung gegen Israel und die USA seien, sagte er mir einfach, ich solle das nicht ernst nehmen: “Die reden nur!”
    Manchmal erinnert es mich ein bisschen an Diktate oder den Kommunismus: Die grossen Banken gehören alle dem Staat. Der Staat legt Preise fest. Wenn ein Polizist einem bei einem Regelverstoss erwischt kann man das meistes mit reden oder Geld gutmachen. Wenn man etwas braucht bekommt man es fast nur durch Beziehungen oder ganz ganz langsam.
    Die machen was sie wollen und das Volk versucht zu leben. Wer aufmupft wird geschlagen, gefoltert, verschwindet.

    Und ich hoffe jetzt mal für diesen Artikel wird hier im Iran nicht meine Homepage gesperrt oder ich des Landes verwiesen.

    Zukunftsaussichten

    Die meisten oppositionellen Iraner sind positiv gestimmt. “Bisher konnte die Regierung machen was sie will: Die Preise erhöhen, die Reglen ändern, niemand hat was gesagt. Doch jetzt ist eine Opposition da. Die Menschen haben dazugelernt und sie schauen der Regierung auf die Finger.” Die Regierung hat aber auch gezeigt, dass sie eine harte Linie fährt, dass sie bereit ist Gegner hart anzugehen. Und deshalb habe ich nicht das Gefühl, dass die Aussichten für die nächste Zeit rosig sind. Aber auf lange Frist wird ein solches Regime so oder so abgelöst werden. Ein Lichtblick hier ist, dass die religiös-politische Clique, die sich früher gegenseitig als Saubermänner präsentiert hat, begonnen hat sich gegenseitig mit Dreck zu beschmeissen was den Nebeneffekt hat, dass die Menschen deutlich sehen, wie schlecht die Politiker sind.

    Religion

    Persönlich habe ich das Gefühl dass Religion hier im Iran weniger präsent ist als in der Türkei. Dort hat jedes Dorf sein Minarett. Hier in einem Dorf war eine Moschee ohne Minarett, ich habe sie erst gar nicht erkannt, und man sagte mir: es ist nur ein Symbol, nicht wichtig. Gebetsaufrufe höre ich auch weniger – es gibt auch nur 3 pro Tag. Wenn man tiefer schaut ist die Religion allerdings sehr präsent. Der Taxifahrer der einer Predigt zuhört. Überall religiöse Kaligraphien. All die fastenden Menschen. Usw. Allerdings ist das iranische Volk längstens nicht so religiös wie man sich das vorstellt. Sicher, es gibt viele Religiöse hier. Gewissen Städten wie Qom sieht man das an – der Anteil der Tschadors ist ein guter Index. Aber in Teheran, und da lebt immerhin ein Fünftel der iranischen Bevölkerung, leben viele besonders junge Menschen so westlich wie möglich.

    Die Menschen

    Iraner sind sehr hilfsbereit und gastfreundlich. Es scheint tief in ihrer Seele verwurzelt zu sein, die Wünsche des anderen vorneanzustellen. Und erst recht die des Touristen. Das kann erleichternd, aber auch mal mühsam sein; wenn man es aber mit Ländern vergleicht in denen der Tourist in erster Linie ein Abzockopfer ist, dann ist es eine gute Erfahrung. Ein paar Beispiele:

    • Man geht durch eine Strasse und wird angesprochen mit “Hello. How can I help you?” (Wie kann ich ihnen helfen?) Und sie helfen dann auch tatsächlich. In Tabriz hatten wir immer jemand neben uns während wir ein passendes Hotel suchten. In Ardabil fuhr uns sogar ein Junge auf dem Velo voraus, etwa 5 unpassende Hotels lang. Und er wollte unser Trinkgeld nicht annehmen!
    • Der Verkehr ist ja total regelfrei. Aber trotzdem ist er nicht agressiv. Man hält an für den Fussgänger der gerade die Strasse überquert und man lässt auch mal jemanden von der Seitenstrasse einbiegen.
    • Auf der Post gehe ich an den erstbesten Schalter und frage wo ich den meinen Brief aufgeben soll. Schon steht ein englischsprachiger Kunde neben mir und nimmt mir die Arbeit ab, geht mit mir von Schalter zu Schalter bis der Brief seinen Weg nach Europa antreten kann.