Archive for September, 2009

Update

Ich habe meine Linkliste endlich ergänzt. Wer noch weitere Reiseberichte lesen möchte, here you go:

Neue Bilder gibts auch, von der Türkei und von meiner ersten Woche im Iran.
Die letzten Bilder aus der Türkei:


Die erste Woche im Iran:

Ich selber habe nun mein Visum für Pakistan im Pass und somit in der Tasche! Von Teheran bin ich mit dem Zug nach Qom gereist und von dort weiter mit dem Bus nach Kashan. Und jetzt wartet Esfahan auch mich. Eine der schönsten Städte des Irans.

 

Das Embargo

Die USA verbietet ihren Bürgern den Handel mit dem Iran. Kein Import, kein Export, theoretisch keine Computer im Iran, kein Coca-Cola, nix.

Fact ist: Es gibt hier im Iran alles (alles ausser einem McDonalds). Es kostet sie einfach etwas mehr weil alle Güter via Drittländer importiert werden. Die amerikanischen Firmen dürfen mit allen Nicht-Iranern Handel treiben solange sie nicht wissen, dass diese ihre Güter in den Iran weiterverkaufen. In der Praxis ein ziemlicher Witz. HP zum Beispiel macht mit einer Firma Geschäfte die “nur zu dem Zwecke existiert Produkte von HP in den Iran zu importieren”. (Link, auf Englisch)
Coca-Cola hat einen Lizenznehmer im Iran. Ich muss mal nachfragen wie das geht.

Das Embargo wurde aufgestellt, weil der Iran ein Terroristen sponsernden Staat ist. Da muss man doch was dagegen tun! Doch was? “Lasst uns aufhören mit ihnen Handel zu treiben” ist die Devise der US. Nützt das wirklich etwas? Ich glaube nicht. Wer leiden muss ist die Bevölkerung. Der Regierung macht das doch nicht viel. Mir scheint die USA haben einmal mehr nicht verstanden wie der Hase an einem anderen Ort läuft. Wenn man im Iran die Bevölkerung bestraft, interessiert das die Regierung wirklich einen feuchten Scheissdreck. Im Gegenteil, durch die Ausgrenzung schweisst man die Menschen hier noch mehr mit ihrer Regierung zusammen.

Wenn es darum geht, der iranischen Wirtschaft das Leben schwer zu machen, dann ist die iranische Regierung wohl sowieso der grössere Verhinderer als die USA. Beispiel Internet: Nicht nur sind sehr viele Seiten gesperrt, die Internetgeschwindigkeit wird auch vom Staat kontrolliert! Für Private gibt es nicht mehr als 128KBit/s – das ist 2x der Speed einer alten Telefonleitung. Es gibt die schnellen Leitungen, doch nur wenn man gut Freund mit der Regierung ist. In der Softwarefirma eines Freundes war die Geschwindigkeit mittelmässig langsam. Wie soll man da gut arbeiten?


Für weitere Infos zu US-Embargos kann man sich hier melden:

The Treasury Department’s Office of Foreign Assets Control also administers sanctions programs involving the Balkans, Burma (Myanmar), Cuba, Diamond Trading, Iran, Iraq, Liberia, North Korea, Sudan, Syria, Zimbabwe as well as highly enriched uranium, designated Terrorists and international Narcotics Traffickers, Foreign Terrorist Organizations and designated foreign persons who have engaged in activities relating to the proliferation of weapons of mass destruction. For additional information about these programs or about sanctions involving Iran, please contact the:
OFFICE OF FOREIGN ASSETS CONTROL
U.S. Department of the Treasury
1500 Pennsylvania Avenue, N.W. – Annex
Washington, D.C. 20220
http://www.treas.gov/ofac
202/622-2490

 

Zwischenwelten

Es gibt Warteräume im Leben, Orte an denen man Zeit verbringt, man ist aber noch nicht dort wo man hin will und nicht mehr hier, ich nenne sie Zwischenwelten. Man kann dort nur warten, warten darauf dass man ankommt, warten darauf dass die Zeit vergeht, hoffen darauf, dass man bald wieder seine Ziele verfolgen kann.
Der Flughafen ist das typische Beispiel. Busterminals gehören in dieselbe Kategorie. Man isst, man schläft – oder versucht es zumindest, man liest, döst, trinkt Kaffee, wartet.
Kranksein ist ein anderer Warteraum. Man liegt im Bett und wartet bis es vorbeigeht.
Es gibt auch Zwischenwelten die nicht so fest an einen Ort gebunden sind. Ich war gerade in einer. Der Rahmen meiner Zwischenwelt ist ‘warten auf mein Visum für Pakistan’.

In allen Zwischenwelten nutzt man die Zeit so gut wies geht. Man tut irgendwas, etwas nützliches, etwas das einem gut tut, aber es wird nie die Qualität haben, wie wenn man sich am Ankunftsort mit seinen Zielen beschäftigen könnte. Der Reisende schläft, arbeitet an seinem Laptop, liest ein Buch das er schon lange mal lesen wollte oder eines das er am Flughafen gekauft hat. Der Kranke schaut Filme und räumt vielleicht mal wieder seine Wohnung auf. Und ich habe mich mal wieder ausgeruht, mir Dinge angesehen und Menschen getroffen. Aber das Gefühl bleibt: Ich bin in einer Zwischenwelt, nicht auf meiner Reise sondern beim Boxenstopp. Warten bis es weitergeht.
Und dann beginnt man Dinge zu machen die man sonst selten macht auf der Reise: man räumt mal wieder auf, man sendet überzählige Dinge nach Hause, man nimmt sich Zeit zum lesen und man denkt über seine Ziele nach. Das sind alles gute Dinge, aber es sind genau die Dinge die einem das Gefühl geben im Moment nicht sein Ziel zu verfolgen sondern in einem Warteraum zu sein.

Gut wenn die Wartezeit dann vorbei ist und man wieder seine Ziele verfolgen kann.

 

Reiseliteratur

Ich habe zwei kompakte Bücher mit auf die Reise genommen: “So sprach Zarathustra” von Friedrich Nietzsche und eine Übersetzung des Korans ins Deutsche. Hohe Ziele die an einer Veloreise scheitern mussten. Im Koran lese ich von Zeit zu Zeit, aber nicht häufig. Wenn man sich die richtigen Suren aussucht (z.B. Joseph/Yusuf), dann kann es sehr faszinierend sein zu vergleichen wie die Geschichten die die Bibel erzählt im Koran ebenfalls erzählt werden – mit leichten Abwandlungen. Aber Zarathustra geht wohl mit dem nächsten Paket nach Hause.

Was lese ich dann? Die guten Bücher sind mir alle unterwegs in die Hände gefallen. Ich rate deshalb eine Veloreise die man zuhause beginnt auch ohne Bücher zu beginnen.

Angefangen habe ich mit Jason Burke’s “On the road to Kandahar”On the road to Kandahar (auf deutsch: “Reise nach Kandahar“) – geschenkt bekommen in Augsburg. Jason Burke ist als Journalist durch viele Problemzonen der muslimischen Welt gereist und erzählt leicht lesbar einen Mix aus Hintergrundinfos, Einblicke in ein Journalistenleben und Reisebericht. Ein sehr empfehlenswertes Buch. Im Westen herrscht ja manchmal das Gefühl vor es handle sich bei der ‘muslimischen Welt’ um einen grossen Block mit gemeinsamen Zielen und Feinden.  Nach diesem Buch wird man garantiert nicht mehr so denken, Burke zeigt sehr anschaulich auf wieviele verschiedene Ursachen die einzelnen muslimischen Konflikte haben und dass der Islam so verschieden gelebt wird wie die Kulturen verschieden sind in die er aufgenommen wurde. Mich hat dieses Buch vor allem mal wieder eines gelernt: Never ever put people in a box! (Stecke niemanden in eine Schublade!) Schon gar nicht wenn sie eine Aufschrift trägt wie ‘Muslim’, ‘Türke’, ‘Mann’ oder sonst etwas allgemeines. Menschen sind so individuell.

The new life - Orhan Pamuk Burke begleitete mich durch Osteuropa und bereitete mich innerlich gut auf die muslimische Welt vor. In der Türkei wo ich viel mehr Zeit als in den einzelnen osteuropäischen Ländern verbrachte, war dann natürlich Literatur aus dem Reiseland angesagt. Orhan Pamuk, wen sonst? Ich kaufte eine Übersetzung ins Englische von “Das neue Leben”. Der erste Satz ist super: „Eines Tages las ich ein Buch, und mein ganzes Leben veränderte sich.“, aber danach zog es sich hin und die Magie dieses Buches erfasste mich nicht, auch der unerwartete Schluss überraschte mich nicht.

Bei meiner ersten Überlandfahrt in der Türkei hielt ich das Ticket für Sitz 38 in den Händen, den Platz auf dem der Protagonist von Pamuk so oft sass. Ich war hell begeistert von der Aussicht dort ein Karamelbonbon zu kauen. Die Realität holte mich dann schnell ein, als es hiess ich solle mich gleich ganz vorne hinsetzen – auf Sitznummern wird nicht gross Rücksicht genommen in der Türkei.

In Sivas lag ich zwei Tage krank auf dem Sofa eines Studenten der deutschen Literatur. Ich las in den zwei Tagen “Die Leiden des jungen Werther” durch. Wer hätte gedacht, dass ich mitten in der Türkei klassische deutsche Literatur finde? Es ging aber gleich so weiter.

In Tabriz wurde mir von Chris “Der Prozess” von Kafka geschenkt.Der Prozess - Franz Kafka, Ausgabe von Vitalis Juhu, Kafka! Den Prozess wollte ich schon lange mal lesen – schade ist es ein unvollendeter Roman. Aber das macht ihn doch irgendwie umso kafkaesker?!

Und jetzt in Teheran war es wirklich wieder Zeit für Nachschub. Wer mich kennt, der weiss (oder weiss es mindestens jetzt – jetzt dann gleich), dass ich oft mit dem Wunsch nach einem bestimmten Buch in die Buchhandlung gehe und dann mit drei anderen Büchern rauskomme. Ich habe die deutschsprachigen Buchhandlungen Teherans abgeklappert und es war witzig mit Verkäufern und Kunden Deutsch zu sprechen, doch leider verkauften sie nur Lernbücher. Ich habe mich jetzt mit ein paar wenigen englischen Klassikern eingedeckt:

Und los gehts mit Robinson! Im Original klingt die Geschichte ganz anders: Problemkind und Sklavenhändler – davon erzählt die Schulversion nie.

(Klick aufs Bild zum vergrössern.)
Bücherkauf in Teheran - Thumbnail